Videos von Basis 303 über die Rallye

 

Krankenstation "Manduar" und "Ceesay Nursery School"

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Gambia-Tagebuch von Dr. Simon Reichenauer


An dieser Stelle berichtet Dr. Simon Reichenauer über seine Arbeit in der kleinen Gesundheitsstation von Manduar in Gambia.de/projekte/gambia/gesundheitsstation-manduar.html

 

 

Sonntag, 26.04.2009

 

In wenigen Tagen ist es schon soweit. Die Zeit vor der Abreise vergeht im Flug und ich versuche ständig die ganzen kleinen Dinge zu erledigen, an die man vor dem Antritt eines längeren Auslandsaufenthaltes denken muss. Da ich für die letzte Woche vor dem Abflug leider keinen Urlaub mehr bekommen hab, muss alles neben dem Klinkalltag geschehen. Außerdem treffe ich mich nochmals mit Familie und Freunden und wenn noch ein wenig Zeit bleibt, beschäftige ich mich mit Fachliteratur über die dort vorherrschenden Krankheitsbilder. Trotzdem bleibt das sicher allen bekannte Gefühl, nicht mehr genug Zeit für die Vorbereitung zu haben.

 

Zum ganzen Vorreisestress mischen sich aber auch immer mehr Spannung und Neugierde. Wie werde ich dort empfangen? Welche Herausforderungen erwarten mich?

 

 

 

Montag, 04. Mai 2009

 

Nach einem langen Flugtag mit Zwischenstopp in Lissabon, bin ich Samstag Nacht in Dakar im Senegal angekommen. Die Abholung am Flughafen durch die Herberge Keur Diame klappte problemlos und ich war froh als ich um 2.30 endlich im Bett lag. Am nächsten Morgen ging es gleich weiter zum Busbahnhof in Dakar und von dort in einem 7-Sitzer nach Karang zum Grenzübergang nach Gambia. Nach 10 Stunden Schlaglochslalom im brütendheißen, überfüllten Auto war ich froh, mir an der Grenze ein wenig die Füße vertreten zu können. Nach weiteren 30min Fahrt war ich endlich an der Fähre und konnte nach Banjul, der Hauptstadt von Gambia, übersetzen. Dort wurde ich von Heinz Bormann in Empfang genommen. Aufgrund meines ausgehungerten Zustands, fuhr er mich zuerst in sein neu gegründetes Restaurant, wo ich auch seine Familie kennen lernen konnte.

 

Heute fuhren wir gegen Mittag nach Manduar und Heinz stellte mich der Health post Belegschaft vor. Alle freuten sich ein neues Mitglied im Team kennen zu lernen. Mit Soul, der wichtigsten Kraft der Station, tauschte ich mich ein wenig über vorhandene Materialien, Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten aus und ich lernte Kebba kenne, bei dem ich, wie auch mein Vorgänger Ralf, die Woche über wohnen werde. Morgen früh geht´s dann so richtig los und ich freue mich schon mit dem netten Team die nächsten Wochen zusammen zu arbeiten.

 

 

 

Donnerstag, 7. Mai 2009

 

Meine ersten Arbeitstage im health post habe ich nun hinter mir und die Eingewöhnung klappt bisher gut. Das Spektrum der Krankheitsbilder ist sehr groß, leider sind unsere diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten doch sehr begrenzt. So bleibt es häufig bei der Behandlung von Symptomkomplexen und wir versuchen damit wenigstens die Hauptkrankheitsursachen abzudecken. Mitunter trifft man auch altbekanntes: auch hier stecken sich die kleinen Kinder Sachen in Körperöffnungen, z.B. kam gestern ein Vater mit seiner 3 Jahre alten Tochter, die sich ein Holzstück in die Nase gesteckt hatte. Da die Kleine aber nicht zu bändigen war, mussten wir unsere Bergeversuche abbrechen, um nicht Blutung im Nasenbereich zu verursachen. In Ermangelung einer Sedierungs-/Analgesierungsmöglichkeit, z.B. mit Dormicum oder noch besser mit Ketamin, blieb uns nur die Überweisung in das Krankenhaus nach Brikama.

 

Da die Regenzeit noch nicht begonnen hat, hält sich das Patientenaufkommen momentan noch im Rahmen. Aber es werden bereits täglich mehr Malariaverdachtsfälle.

 

Im Dorf war das Hauptthema die letzten beiden Abende die Championsleague-Halbfinalspiele. Ich als bekennender Fußballignorant konnte leider nicht allzu viel zu den zahlreichen Diskussionen beitragen, aber die live-Übertragung der beiden Spiele in einen Raum von 4x3 m Größe, in dem ca. 50-60 fanatische Fußballfans saßen, war schon ein echtes Erlebnis.

 

In diesem Sinne schicke ich schöne, schwülheiße Grüße nach Deutschland

Simon

 

 

 

Dienstag, 12. Mai 2009

 

Die neue Woche hat im Vergleich zur letzten recht stressig angefangen, heute und gestern hatten wir jeweils ca. 40 Patienten. Der Schwerpunkt lag seltsamerweise an den beiden Tagen auf Infektionen der Haut, Durchfaellen und sexuell uebertragbaren Krankheiten. Bei den Hautkrankheiten ist es nicht leicht auf der schwarzen Haut etwas zu erkennen, die typische Roetung ist dort eher schwer zu sehen und da Hautkrankheiten auch nicht unbedingt mein Spezialgebiet sind, bleibt in vielen Faellen doch nur die Ueberweisung zum Dermatologen nach Banjul. Die sexuell uebertragbaren Erkrankungen lassen sich eingentlich gut und effektiv behandeln, problematisch ist aber, dass alle Partner mitbehandelt werden muessen. Das stoesst in islamischen Kulturkreisen oft auf wenig Gegenliebe, sei es durch Kommunikationsschwierigkeiten mit den eigenen Mann oder einer seiner anderen Frauen. So bleibt die Therapie leider oft eine Loesung auf Zeit.

 

Fuer die naechsten Wochen moechte ich mit Saul gerne eine Informationskampagne ueber Moskitonetze starten. Wir mussten feststellen, dass zwar viele Familien Netze besitzen, aber aus verschiedenen Gruenden nicht darunter schlafen. Durch solche Praeventionsmassnahmen liessen sich jedoch viele Malariafaelle, gerade bei kleinen Kindern, leicht vermeiden. Debei mangelt es oft nur an ein wenig Information. Vielleicht gelingt es uns, v.a. durch unseren in Aufklaerungsarbeit geschulten Saul, hier etwas zu bewegen.

 

 

 

Freitag, 15. Mai 2009

 

 

Wieder ist eine Woche im health post Manduar zu Ende. Heute haben wir uns nochmals rangehalten, um es allen Mitarbeitern zu ermöglichen am großen Freitagsgebet teilnehmen zu können. Mit 37 Patienten war heute nicht wenig los, wir haben es aber trotzdem knapp geschafft. Nebenbei haben wir diese Woche begonnen einen Notfallrucksack zusammen zu stellen. Bis jetzt gab es kein vorbereitetes Material für eventuelle Notfälle im Dorf, oder für dringende Verlegungsfahrten ins Krankenhaus. Eine große Hilfe war dabei ein original verpackter Erste-Hilfe-Rucksack mit manueller Absaugeinheit und Beatmungsbeutel, den wir in einem Regal gefunden hatten, wahrscheinlich von einem großzügigen Spender der Rallye. Diesen haben wir noch mit Material für das Legen intravenöser Kanülen, Infusionen und mit einigen Notfallmedikamenten bestückt. Wenn es zeitlich klappt, würde ich nächste oder übernächste Woche gerne für die Mitarbeiter des health posts eine Einheit in kardiopulmonaler Reanimation geben und ihnen den Inhalt des Rucksacks genauer erklären. Somit wären wir für eventuelle Notfälle besser gerüstet.

 

Medizinisch war die Woche geprägt von Hauterkrankungen, Kleinkindern mit Fieber oder Durchfall und etlichen Malariaverdachtsfällen. Vorgestern habe ich auch das erste Mal einen Patienten mit Krätze gesehen, die Mischung an Krankheitsbildern ist hier schon sehr spannend.

 

Das Wetter ist momentan etwas wechselhaft, häufiger wird strahlender Sonnenschein und brütende Hitze plötzlich von Wolken mit warmem Wind abgelöst. Die Einheimischen schließen daraus auf einen früheren Beginn der Regenzeit als sonst. Vermutlich werden wir schon im Juni mit Regen und damit mehr Moskitos und Malaria konfrontiert werden.   

 

 

Mittwoch, 20. Mai 2009

 

Heute war es im Health Post vergleichsweise ruhig. So konnte ich mit Saul die Zeit nutzen und einen Ausflug durch den Busch nach Dasilame suedlich von Manduar machen. Dort besuchten wir eine Schule mit 7.-9. Klaesslern, bei denen wir gerne noch vor den grossen Ferien in der Regenzeit einen Vortrag ueber Safer Sex, sexuell uebertragbare Erkrankungen und Verhuetung halten moechten. Die Ferienzeit ist leider haufig eine beliebter Zeitpunkt um ungewollt im fruehen Jungenalter schwanger zu werden. Der Rektor der Schule war ungluecklicherweise nicht anzutreffen, wir werden es aber naechste Woche nochmals versuchen. Immerhin hat in einer Schule in Manduar die Kommunikation schon geklappt und Saul wird dort einen aehnlichen Vortrag diesen Freitag halten koennen.

  

Vorgestern kam eine interessante kleine Patientin zu uns. Dem 2 Monate alten Maedchen waren Mittel-, Ring- und Zeigefinger zusammengewachsen. Da so eine Operation aber zu umfangreich fuer unser health post und vor allem auch fuer meine rudimentaeren chirurgischen Faehigkeiten gewesen waere, blieb uns nur die Ueberweisung in die Klink nach Banjul.

 

Insgesamt stellen sich relativ viele Kinder mit prinzipiell gut operablen Befunden, z.B. sehen wir haeufiger grosse bis riesige Nabelhernien, die aehnlich wie eine grosse Wurst nach unten haengen. In Gambia ist die medizinische Versorgung bis zum 5. Lebensjahr kostenlos, dennoch wird trotz der oft imponierenden Befunde, aus Sicherheitsgruenden, so lange wie moeglich mit der OP gewartet.

 

Morgen Mittag werde ich mir von Saul das Health center in Brikama zeigen lassen und kann so etwas ueber die dortigen Behandlungsmoeglichkeiten erfahren. Um zu wissen wen ich wohin ueberweisen muss, wird das ganz sinnvoll sein.

 

Sonst hab ich mich auf Kebbas Compound gut eingelebt und alle versuchen dort es mir so bequem wie moeglich zu machen. Trotzdem geniesse ich es auch, wenn ich am Wochenende hin und wieder an die Kueste fahren kann um dort bei Marion und Heinz zu schlafen. Das gibt einem fast ein Gefuehl von Kurzurlaub am Meer."

 

Ok, soweit fuer heute.

Gruesse in das schoene Deutschland

Simon

 

 

 


Freitag, 22. Mai 2009

 

„Wieder ist eine Woche in Manduar vorbei und ich genieße die Zeit am Meer und nutze sie um einige mails zu schreiben und einige Dinge der Woche aufzuarbeiten.

 

 

Gestern war die Region in Manduar und vor allem die Gegend südlich davon in heller Aufregung. Grund war die jährliche Tour des Präsidenten Jammeh durch das Land. Dabei bereist er 2 Woche lang die größeren Städte im Land und gestern war Marakissa dran, eine größere Stadt südlich von Manduar nahe der senegalesischen Grenze. Da die Tour des Präsidenten durch Manduar führte, war dort den ganzen Tag ein beeindruckendes Aufgebot an Polizei und Militär präsent und blockiert die Straße. Nachdem im health post nicht zu viel los war kämpften wir uns durch die Kontrollen nach Brikama  und besuchten das health center dort. Es war wirklich interessant und aufschlussreich die Stationen und Ambulanzen zu besichtigen. Obwohl es doch eines der größten health centers des Landes ist, sind seine Behandlungsmöglichkeiten doch sehr begrenzt. Es gibt dort eine große Entbindungsstation mit zahlreichen Geburten jeden Tag. Sie besitzen auch einen OP um Kaiserschnitte durchzuführen, aber leider momentan keinen Chirurgen, so dass jede Patientin nach Banjul gefahren werden muss, wenn sie einen Kaiserschnitt benötigt. Ich erkundigte mich auch nach den Behandlungsoptionen bei Traumen und als Anästhesist war es dabei erschreckend zu erfahren, dass es in ganz Gambia genau einen Beatmungsplatz (in Banjul) gibt. Sollte man es sich also getrauen einen Patienten zu beatmen und zu intubieren, hat man ein echtes Problem, falls der einzige Beatmungsplatz gerade belegt ist. Ist aber sicher auch eine extrem harte Entscheidung deswegen die Patienten von vorneherein schon zu selektieren. Ich hoffe, dass mir eine solche Entscheidung für den Rest meines Aufenthaltes erspart bleibt.

 

Insgesamt ist die technische und personelle Ausstattung in Brikama doch um einiges schlechter als ich vermutet hatte. Zudem sind die Stationen mit unzähligen Betten überfüllt, die in der Regenzeit auch gerne doppelt bis dreifach belegt sind. Für unsere Verhältnisse ist es auch kaum vorstellbar, wie man in der Affenhitze der Räumlichkeiten überhaupt gesund werden kann.

 

Nach dem Rundgang blieb uns gerade noch genug Zeit um über die Buckelpiste nach Marakissa zu holpern und den Empfang des Präsidenten mit zu erleben. Für deutsche Gepflogenheiten zeigten die Menschen eine erstaunliche Begeisterung und standen jubelnd am Straßenrand, bis der Präsident keksewerfend mit einer enormen Militärkarawane anrollte.

Fast schon gefährlich war dann der Kampf der um die Kekse des Präsidenten entbrannte. Von daher war ich Salifou sehr dankbar, dass er unter den Augen von 20 kekshungrigen Kindern anfing seine ergatterten Schätze in meinen Rucksack zu stopfen. Die anschließende körperliche Auseinandersetzung mit den Kindern grenzte schon an Misshandlung von LandsAid-Personal und fällt sicher unter die Genfer Konventionen.

Jedenfalls war es für mich ein spannender Nachmittag und für dieses kleine Land war der mehrere tausend Menschen umfassende Auflauf sicher ebenfalls eine Seltenheit.

 

 

Am heutigen Abend wurde ich noch von Salifou in die Kunst des Röstens von Cashewnüssen eingewiesen. Das Rösten war zwar eher ein flambieren oder verbrennen, die eigentliche Arbeit war dann aber die Nüsse aus den verkohlten Hüllen zu bekommen. Da war mir dann auch der Grund meiner Anwesenheit klar, schließlich ist da jedes paar Hände willkommen. Es war aber wirklich lustig und wie oft sieht man nach der Essenssuche schon wie eine Kohlearbeiter aus?“

 

 

 

Donnerstag, 28. Mai 2009

 

Gambia zeigt sich momentan wieder etwas von der heißen Seite, d.h. ich schwitze nur einmal am Tag, dafür aber länger.

 

Der Alltag im health post ist momentan geprägt von einer Erkältungswelle, die einen ordentlichen Anteil der Kinder erwischt hat. Überraschend sind zwischendurch Patienten, die mit typisch „westlichen“ Erkrankungen, z.b.  Bluthochdruck erscheinen. Nicht aufgrund der Erkrankung, sondern wegen dem Ausmaß der Erkrankung (z.B. Werte von 240/150), der Therapieresistenz (trotz Mehrfachkombination von Medikamenten) und der dabei oft fehlenden Symptomatik. Die fehlende Symptomatik mag zum Teil an der höheren Schmerz- und Leidenstoleranz liegen, die die Menschen hier im Vergleich zu Deutschland mitbringen.

 

Zu Beginn der Woche haben wir das EKG des health post eingeweiht. Salifou wurde zum Freiwilligen auserkoren und zeigte anfangs mächtig Respekt vor dem Gerät. Er war dann aber mit seinem blanden EKG sehr zufrieden und wollte es sich gleich in die Wohnung hängen. Das EKG funktioniert also einwandfrei und wir werden es in nächster Zeit noch häufiger einsetzen, damit das health post Personal Übung in der Ableitung bekommt.

 

Gestern habe ich nach dem Tag im health post eine kleine Wanderung an die Grenzen von Manduar unternommen. Dass man hier selten alleine bleibt, habe ich wieder nach wenigen Minuten erkannt, als sich spontan Ibrahima, ein mir bis dahin unbekannter Einheimischer, anschloss und mir begeistert die Gärten und Dörfer der Umgebung zeigte. Von der Größe Manduars war ich sehr überrascht. Es ist ein riesiges Areal, auf welchem in respektvollem Abstand voneinander einzelne compounds (ummauerte Familiengrundstücke mit Häusern) stehen.

 

 

 

Dienstag, 02. Juni 2009

 

„Gambia überrascht einen doch immer wieder mit unbekannten Sitten. Beispielsweise habe ich am Samstag meinen ersten „national cleaning day“ miterlebt. Immer am letzten Samstag im Monat dürfen von 9-13.00 keine Autos fahren und keine Geschäfte geöffnet haben. In diesem Zeitraum sollen alle Einwohner, unter dem Motto „ Operation: cleaning the nation“, die Straßen, Plätze und Strände säubern. Eingentlich keine üble Idee, aber der Tag wird von den meisten doch eher als zusätzlicher Ruhetag genutzt und ich hab auf den Straßen nicht viele Menschen gesehen, bzw. hinterher immer noch viel Müll. Trotzdem von der Idee her nicht schlecht.

 

Am Montag bekam ich dann noch eine exklusive Führung durch das große Banjul Hospital. Die Stationen unterscheiden sich, mit ca. 20-30 Patienten in einem großen Zimmer, doch sehr von unseren gewohnten Arbeitsplätzen. Leider waren die überwiegend kubanischen Ärzte alle auf Visite und hatten daher wenig Zeit für Erklärungen. Zum Ausgleich nahm sich aber der ärztliche Direktor Zeit, noch einiges zum Krankenhaus und den Behandlungsmöglichkeiten zu erzählen und er erklärte großzügig, dass unser health post jederzeit Patienten zu ihnen überweisen kann.

 

Das Wartezimmer des health posts platzte heute dafür aus allen Nähten. Nachdem gestern, am Montag, schon viel los war und die Belegschaft ordentlich zu arbeiten hatte, war heute noch eine gute Steigerung drin. Von den 50 Patienten hatte einige auch schwere Verletzungen, z.B. kamen am Morgen zwei Kindern mit Verbrennungen. Das 12jährige Mädchen hatte den 6 Monate alten Bruder getragen, als sie in die Feuerstelle gestolpert war. Ihr kompletter rechten Unteram zeigt schwere drittgradige Verbrennungen und wir konnten sie nur, mit ausreichend Schmerzmittel versorgt, nach Banjul verlegen. Der jüngere Bruder hatte glücklicherweise nur eine relativ oberflächliche, zweitgradige Verbrennung am Hinterkopf. Diese reinigten wir gut und konnte sie mit hervorragendem, speziellem Verbandsmaterial versorgen, welches wir letzte Woche im health post entdeckt hatten. Ich bin auf die folgenden Verbandswechsel gespannt und hoffe, wir können für den Kleinen ein gutes kosmetisches Ergebnis erzielen.“

 

 

 

Freitag, 05. Juni 2009

 

 

„Bereits Mittwoch sind Saul und ich zu einer der Schulen in Manduar gefahren um erneut mit der Rektorin über Vortragstermine zu sprechen. Als Ergebnis des Treffens dürfen wir ab nächster Woche immer mittwochs um 11.30 über ein Thema mit den Schülern sprechen. Wir haben uns dann noch gleich einer Klasse vorgestellt und ihnen das Thema der nächsten Woche (Malaria) erklärt. Als Hausaufgabe sollen sie schon mal alle Leute in ihrer Familie über Malaria befragen. Da einige der Schüler kaum englisch sprechen und daher einiges auf mandinka erklärt werden muss und da die Vorträge während der health post Öffnungszeiten stattfinden, wird wohl der Grossteil von Saul gehalten werden, während ich das health post hüte. Wie ich mich bei der kurzen Einführung zum Thema überzeugen konnte, ist er  für den Job auch eindeutig der Qualifiziertere von uns beiden. Er hatte bereits mit wenigen Sätzen eine guten Draht zu den Schülern aufgebaut und sorgte für viel Gelächter in der Klasse.

 

Am Mittwoch bekam ich dann noch die Chance den letzten mir noch unbekannten Offiziellen des Dorfes kennen zu lernen, den Imam. Da er die meiste Zeit in Dakar verbringt, wo die Mehrzahl seiner Frauen wohnt und er als Marabu tätig ist, war es mir nicht früher gelungen ihn zu treffen. Sein Empfang war sehr herzlich und er und die anwesenden Personen dankten mir überschwänglich für meinen Aufenthalt in Manduar und beteten dann auch noch für mich und meine Zukunft (Gesundheit, Kindersegen, Reichtum, beruflichen Aufstieg....). Dummerweise hatte mir vorher Salifou vergessen zu erklären, dass es Sitte ist, die Betenden irgendwann dankend zu unterbrechen, um sie zum Aufhören zu bewegen. So ließ ich die Armen doch relativ lange für meine Zukunft beten, bis mir Salifou dezent den Hinweis zuflüsterte. Der Imam erwies sich im anschließenden Gespräch als sehr offen und sprach auch noch vorhandene Probleme des Dorfes an, z.B. ein fehlender Krankenwagen für nächtliche Transport ins health center nach Brikama oder ins hospital nach Banjul.

 

Für das anschließende Photoshooting zog er sich dann noch extra um und präsentierte sich stolz mit einer seiner Frauen und einer Tochter. Dieser Besuch hat bei mir auf jeden Fall einen sehr schönen, bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Der heutige Freitag bot neben vielen Malariaverdachtsfällen, Ohrentzündungen und Atemwegsinfekten interessante Verbandswechsel, u.a. der des vor drei Tagen erwähnten Säuglings mit den Verbrennungen am Hinterkopf. Erfreulicherweise läuft die Wundheilung bestens und wir hoffen, dem kleinen Tijang die doch oft schmerzhaften Verbandswechsel bald ersparen zu können.“

 

 

 


Mittwoch, 10. Juni 2009

 

Seit Anfang der Woche betreuen wir eine schwerkranken Patienten zu Hause. Bei unserem ersten Besuch am Montagmorgen konnte er nicht aufstehen und hatte durch eingelagertes Wasser extrem geschwollene Beine und beim Abhören auch Wasser in der Lunge. Dadurch hatte er Atemnot und zusätzlich Fieber und Rückenschmerzen und Bluthochdruck. Eigentlich hätte man ihn direkt ins Krankenhaus nach Banjul schicken müssen, aber aus diesem hatten sie ihn erst am Freitag entlassen und laut den Angehörigen im selben, schlechten Zustand. Glücklicherweise konnten wir durch die gute medikamentöse Ausstattung der health posts die mäßige Einfachantibiose auf zwei modernere Antibiotika umstellen und wir ergänzten die Bluthochdrucktherapie um zwei weitere Medikamente. Aus Sorge besuchten wir den Patienten täglich 3 mal und konnten bis heute eine deutlich Besserung beobachten. Die Atemnot und das Fieber waren heute Mittag komplett verschwunden und er konnte erstmals wieder aufstehen. Hoffentlich hält der Trend die nächsten Tage weiter an. 

 

Am Dienstag kam noch ein unglücklicher Junge zu uns, bei dem sich nach der Beschneidung ein murmelgroßer Abszess am Penis gebildet hatte. Beim Eröffnen entpuppte sich als Ursache ein Fadenrest aus nichtresorbierbarem Fadenmaterial. Durch mäßig geeignetes Nahtmaterial sind solche Komplikationen hier leider nicht selten.

 

Heute hatte Saul seine Vortragspremiere in einer der örtlichen Schulen. Da im health post wenig zu tun war, konnte ich ihn begleiten und kam in den Genuss seiner Malariaveranstaltung. Die Klasse hatte stolze 50 Schüler aus allen Bevölkerungsgruppen. Nicht alle können gut englisch, daher sprach Saul teilweise auch in mandinka, wolof oder diola. Das war schon sehr beeindruckend. Es ging hauptsächlich um das erkennen und vermeiden von Malaria. Eine Umfrage in der Klasse zeigte uns, das von den 50 Schülern nur ca. 15 ein Moskitonetz besitzen und auch verwenden.

 

Viele von den Kindern gemachte Vorschläge zur Prävention waren gut, z.B. das Entfernen von Wasserbehältern auf dem compound als mögliche Brutplätze des Anophelesmoskitos. Einige zeigten aber noch deutliche Wissenslücken, mein Lieblingspräventionsvorschlag war eindeutig: stop urinating at the wall! Sicher auch eine gute Idee, hat aber mit Malaria nicht so viel zu tun. Den Kindern hat der Unterricht aber sichtlich Spaß gemacht und uns bleibt die Hoffnung, so vielleicht doch den einen oder anderen Malariafall verhindern zu können."

 

 

 

Dienstag, 16. Juni 2009

 

„In der Nacht von Sonntag auf Montag gab es den ersten großen Regenschauer seit meiner Ankunft. Leider regnete es dann noch den halben Montag weiter und ich habe so einen ersten Vorgeschmack auf die Regenzeit bekommen. Die Straßen um Manduar, die sowieso eher Staubpisten sind, verwandelten sich nach kurzer Zeit in Schlammgruben. Zum Glück wurde mir von der Dresden-Banjul-Organisation ein Jeep zur Verfügung gestellt, mit dem kann ich dann hoffentlich auch noch bei schlechteren Straßenbedingungen vorwärtskommen. Außer mir waren auch eigentlich alle über den Regen begeistert, v.a. von den Farmern rund um Manduar war der Regen schon lange erwartet. Der halbe Tag Regen hat auch schon gereicht um unzählige Insekten zu mobilisieren. Bereits am Nachmittag krabbelten überall kleine, leuchtrote Käfer und Tausendfüßler rum und in der Luft schwirrten hunderte Fliegen. Das kann in der Regenzeit ja noch heiter werden!

 

Das immer feuchter werdende Klima beschert uns im health post einen Anstieg an Pilzinfektion, v.a. im Kopf- und Hautfaltenbereich. Da die Infektionsbereiche häufig jucken und die Kinder automatisch zu kratzen beginnen, sind viele Bereiche bereits superinfiziert und wir behandeln zuerst die Bakterien- und anschließend die Pilzinfektion.

 

Morgen findet wieder unser Malariaaufklärungsunterricht an der Schule statt. Nachdem es letzte Woche sehr interessant und lustig war, freue ich mich schon auf eine neue Stunde mit Lehrer Saul.“

 

 

 


Montag, 22. Juni 2009

  

Am heutigen Montag erwarteten uns im health post gleich zwei schwerere Fälle, eine Patientin mit stärksten rechtsseitigen Bauchschmerzen und ein Bluthochdruckpatient mit Lähmungen. Die Patientin mit den Bauchschmerzen schickten wir, mit Schmerzmitteln versorgt, gleich weiter nach Brikama ins health center, wo man ein Labor und eine Ultraschall machen kann. Der Bluthochdruckpatient hatte die Lähmungen aufgrund eines Schlaganfalls wohl bereits seit 3 Tagen und sein Medikamentenvorrat war schon seit einigen Tagen zu Ende und er hatte vergessen neue bei uns zu holen. Auch hier konnten wir nicht allzu viel tun, außer den Blutdruck wieder einzustellen, etwas zur Gerinnungshemmung zu geben und dem Patienten das Beüben der gelähmten, rechten Extremitäten zu erklären. Bei beiden Patienten beschlich uns wieder einmal das ungütige Gefühl, mit dem hiesigen Gesundheitssystem nicht genug helfen zu können.

 

Neben diesen etwas bedrückenderen Patienten, sahen wir eine steigende Anzahl an Malariafällen und auch noch interessantere Exoten, wie z.B. ein Syphilispatient.

 

Die Regenzeit ist hier langsam aber sicher in der Startphase und es regnet inzwischen in ca. jeder zweiten Nacht heftig. Durch das laute Trommeln auf die Wellblechdächer ist schlafen trotz Ohropax dabei nur schwer möglich Netterweise sind die teilweise heftigen Gewitter noch sehr kurz, so dass die Traumunterbrechungen nicht allzu lange sind.

 

 

Donnerstag, 25. Juni 2009

 

Gestern war wieder Zeit für unseren wöchentlichen Schulbesuch. Wir waren dieses Mal in der 5.Klasse und unterhielten uns mit den Schülern über persönliche Hygiene und Verhalten in der Umgebung zu Hause. Dabei ging es einfach um tägliches waschen mit Seife, Zähne putzen und wechseln der Kleidung (v.a. Unterwäsche). Besonders viel Zeit widmeten wir uns dem Zähne putzen. Traditionell putzt man sich hier mit kleinen Hölzchen die Zähne, was natürlich im Vergleich deutlich ineffektiver ist als mit Zahnbürste und –pasta. Aber dass mich gerade der Lehrer fragte, welche Variante besser ist und warum, machte uns die großen Defizite sehr deutlich. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch immer eine finanzielle Frage und wenn man schon an den Grundnahrungsmitteln sparen muss, kauft man nicht zuerst die Zahnpasta. Die Schüler waren deswegen total begeistert, als wir ihnen 60 Zahnputzsets aus einer Spende austeilen konnten, die sie zumindest eine gewisse Zeit mit allem Nötigen versorgt. Schön zu sehen, wie man hier Kinder mit Sachen fröhlich machen kann, die bei den Schülern daheim wahrscheinlich nur ein müdes Gähnen verursachen würden.

 

Nächste Woche wollen wir nochmals verstärkt auf Verhalten im eigenen Wohnfeld eingehen, mit dem sich Krankheiten verhindern lassen, z.B. abdecken der Toiletten und entsorgen von Nahrungsresten. Da wird es sicher schwerer eine ähnliche Begeisterung zu erzeugen.

 

Der frühe Beginn der Regenzeit beschert uns momentan sehr wechselhaftes Wetter. Starke Bewölkung kann innerhalb kurzer Zeit in Sonnenschein umschlagen. Heute sieht man hier leider einen typisch deutschen" Himmel mit durchgehend Bewölkung und hin und wieder sehr starken Schauern. Im health post kamen daher die Patienten immer schubweise in den Regenpausen. Durch mehr Patienten und vor allem mehr Malariaverdachtsfälle merken wir inzwischen deutlich, dass der erste Regen bereits zwei Wochen zurückliegt und damit die Malariainkubationszeit überschritten wurde. Ein großer Teil der Patienten sind dabei Kinder unter 5 Jahren, unter anderem auch weil sie den Moskitos ausgeliefert sind, wenn sie nachts nicht unter einem Moskitonetz schlafen. Durch Befragen von Müttern im health post wissen wir, dass das bei ca. zwei Drittel aller Kinder der Fall ist. Oftmals gibt es im Haus zwar ein Moskitonetz, die Verwendung gilt aber v.a. bei den Männern traditionell noch als sehr unschick. Vielleicht können wir durch Informationsveranstaltungen da noch etwas verbessern.

 

 

 

Donnerstag, 02. Juli 2009

 

Letzte Nacht hatten wir den ersten richtig heftigen Sturm in Manduar, v.a. der Wind verursachte teilweise große Schäden. Die hier üblichen Wellblechdächer sind dabei besonders anfällig und ich konnte auf meinem morgendlichen Weg zum health post einige Dächer komplett abgedeckt sehen. Ich war froh, dass mein eigenes Dach das Unwetter überstanden hat und ich im Trockenen weiterschlafen konnte, zumindest vorerst.

 

Den Wetterumschwung merkt man auch an der immer höher werdenden Luftfeuchtigkeit. Meine Trinkmenge hat sich dadurch mittlerweile bei 4-5 Litern eingependelt, im Gegenzug schwitzt man dann auch nur einmal am Tag.

 

Die Regen verursacht dabei nicht nur neue Brutplätze für die Malariamoskitos, er lässt auch die Anzahl der Hautinfektionen merklich wachsen.

 

Nebenbei sind die vielen neuen Mücken auch einfach nur nervig und können auch, für europäisches Empfinden, sehr kuriose Krankheitsbilder erzeugen. Beispielsweise kam heute eine Frau mit 2 ca. 3 cm großen Beulen am Körper, die jeweils eine ca. 3-4mm große Öffnung hatten. Durch Verschließen der Öffnung mit Vaseline und anschließendem Ausdrücken der Beule, kamen zwei dicke Maden zum Vorschein (1-1,5cm groß). Diese Maden stammen von Eiern der sogenannten Tumbu fly oder Mangofliege. Sie legt ihre Eier in nasse Kleidung die im Freien, im Schatten liegend, getrocknet wird. Werden die Kleidungsstücke nach dem Trocknen nicht gebügelt, um die Eier abzutöten, können Larven entstehen, die sich in die Haut bohren und dort 10-12 Tage heranwachsen. Je nach Lokalisation kann dies auch starke Schmerzen verursachen. Bevor man sie entfernt sollte man trotzdem warten bis sie annähernd ausgewachsen sind. Ein zu frühes, evtl. chirurgisches, Eingreifen kann durch das große entzündete Areal zu  schweren Infektion und anschließender Narbenbildung führen.

 

Trotz des etwas ekligen Charakters solcher Fälle, machen sie den Arbeitsalltag hier immer wieder spannend und zeigen einem die große Spannbreite der Tropenmedizin.

 

gruesse

simon

 

 

Mittwoch, 8. Juli 2009

  

Im heutigen Unterricht an der Schule behandelten wir das Thema Ernährung. Wir ließen die Schüler zuerst alle in Gambia erhältlichen Lebensmittel aufzählen und fragten hinterher, was sie hauptsächlich essen und welche Nahrungsmittel für den Körper wichtig sind. Natürlich kamen die Süßigkeiten immer ganz oben und wir versuchten zu vermitteln, dass andere Lebensmittel für den Körper wichtiger sind und ein gut ernährter Körper auch vor Krankheiten schützt. Realistisch betrachtet werden wir es natürlich nicht schaffen, die Süßigkeiten als Lieblingsnahrungsmittel zu verdrängen, aber das wäre auch etwas zuviel erwartet. Vielleicht gelingt es uns aber wenigstens, die Kinder für eine abwechslungsreiche Ernährung zu sensibilisieren und ihnen zu vermitteln, dass ausschließlich Reis (oder Süßes) als Nahrung zu einseitig ist.

 

Im health post erwartete uns dann noch ein armer Schüler einer anderen Schule, dessen Kameraden versucht hatten, mit einem Stein Früchte aus einem Baum zu werfen. Er stand etwas ungeschickt darunter und hat den Stein dann direkt auf den Kopf bekommen. Aber bis auf die Platzwunde, die sich leicht mit einigen Stichen nähen ließ, war er soweit wohlauf.

 

 

Freitag, 10. Juli 09

 

Die plötzlichen Wetteränderungen überraschen mich immer noch. Gestern gab es insgesamt 6 Regenschauer, wobei zwischendrin strahlend  blauer Himmel herrschte. Innerhalb weniger Minuten zieht dann eine dunkle Wolkenfront über Gambia hinweg und verschafft uns kurze, heftige Schauer. Da der Boden mittlerweile schon mit Wasser gesättigt ist, bilden sich schnell kleine Seen, leider nicht nur auf den Feldern, sondern auch direkt vor der Haustür und auf den Straßen. Die Einwohner Manduars freuen sich trotzdem immer noch über das Nass, bringt es doch wenigstens für kurze Zeit etwas Abkühlung und hilft vor allem den vielen Farmer.

 

Unerwarteterweise merken wir sogar im health post die verstärkte Arbeit auf den Feldern, da momentan viele Kinder mit Verletzungen durch Farmwerkzeug kommen. Die meisten hacken sich mit Spaten abenteuerlich in die Zehen. Glücklicherweise waren bisher alle Wunden relativ oberflächlich und konnten gut genäht werden.

 

Der abendliche Frieden im Dorf wird in den letzten Tagen häufiger durch seltsame Laute und metallenes Gehämmer gestört. Grund war die Beschneidungszeremonie, die am letzten Wochenende an mehreren Jungs durchgeführt wurde. Traditionell laufen dann in den nachfolgenden Nächten kostümierte und maskierte Gestalten durch die Nacht, mit 2 Macheten bewaffnet, die sie immer gegeneinander schlagen und dabei schauerliche Laute von sich geben. Sie sollen die Nachtteufel verscheuchen, die den frisch operierten Jungs Böses antun wollen. Die Kinder und Jugendlichen rennen dabei, mit ziemlicher Angst vor den Köstumierten, durch das Dorf und verstecken sich so schnell wie möglich. Ist für die Kleinen eine willkommene Abwechslung zum Dorfalltag.

 

 

 

Mittwoch, 15. Juli 2009

 

„Gestern haben mir die Dorfbewohner erneut ihre Fußballbegeisterung demonstriert. Salifou aus dem health post ist der Trainer der U18 Mannschaft von Manduar, die gestern gegen eine Mannschaft aus dem Nachbardorf spielten. Dabei war das halbe Dorf anwesend, sogar  eine mannschaftseigene Gesangsgruppe unterstützte die Spieler kräftig. Die landestypischen Fußballschuhe sind eigentlich die Gummistrandschuhe wie wir sie im tragen, wenn wir nicht auf Seeigel treten wollen. Im Nachhinein machten diese Schuhe aber durchaus Sinn, in der zweiten Halbzeit begann es nämlich aus allen Kübeln zu schütten. Während alle Zuschauer unter die Dächer umliegender Hütten flüchteten, mussten die Spieler tapfer weiterspielen. Spielunterbrechungen wegen Regen gibt es hier nicht. Der Fußballplatz ist normalerweise schon ein Sandkasten, mit vielen kleinen Gräben und Löchern, nach dem Schauer war er allerdings nur noch eine Seenplatte und die Spieler von oben bis unten mit Sandschlamm bedeckt. Der Begeisterung der Zuschauer und Spieler tat dies jedoch keinen Abbruch und es wurde bis zum Spielende durchgehalten. Trotz des Spielfeldzustandes rasten Hunderte von Zuschauern nach jedem Tor schreiend auf das Feld und umarmten den Torschützen. Am Ende gewann Salifous Team verdient mit 3:1.

 

Im health post macht sich das immer feuchter werdende Klima durch eine höhere Anzahl an  Patienten mit Hautinfektionen, -abszessen und –verletzungen bemerkbar. Dabei überwiegen  Pilzinfektion am Kopf und Gesäß sowie Abszesse, v.a. im Gesichtsbereich. Durch die überall herrschende Feuchtigkeit wird die Behandlung dieser Hautkrankheiten leider auch immer langwieriger und damit schwieriger.

Da wir mittlerweile Ketanest als Schmerz- und Kurznarkosemittel vorrätig haben, konnten wir in den letzten Tagen auch zwei Kinder behandeln, die sich Gegenstände in die Ohren gesteckt hatten. Bis dahin mussten wir diese Kinder immer nach Brikama schicken, wobei deren Methode zur Entfernung in guter Fixierung und Inkaufnahme der Schmerzen bestand. Daher nochmals ein Dank von uns nach Deutschland für die gute medikamentöse Ausstattung des health posts.“

 

schoene gruesse

simon

 

 

Mittwoch, 22. Juli 2009

 

"Die Pfuetzen Manduars werden durch die Regenguesse immer groesser und leider scheinen auch viele der Hautinfektionen in aehnlicher Geschwindigkeit zu wachsen. Die Haeufigkeit und vor allem auch das Ausmass der Hautkrankheiten steigen stark an. Dadurch sind wir immer haeufiger gezwungen, gleich von Beginn an antibiotisch zu behandeln, da fuer eine aeusserliche Behandlung der Befund oft zu ausgepraegt ist. Am haeufigsten sind leider die Kinder betroffen, sie kommen natuerlich mit verschmutztem Wasser beim Spielen am ehesten in Kontakt und achten am wenigsten auf Hygiene und trockene Kleidung.

 

Gestern suchte uns noch ein Patient auf, dessen Mittelfinger von einem fallenden Baum getroffen wurde. Leider war das Ereignis bereits am Vorabend geschehen, naehen der Wunden kam daher nicht mehr in Frage und wir schickten ihn weiter, um ein Roentgenbild des Fingers zu erhalten. Dabei war weniger die Verletzung selber interessant, sondern die anderen Finger. Die zeigten fast ausnahmslos kleinere Vernarbungen und teilweise auch den Verlust ganzer Fingerendglieder. Dieser Befund und die vom Patienten geschilderten Sensibilitaetsstoerungen an den Haenden waren hinweisend auf die Krankheit Lepra. Der Patient wusste bereits, dass er an der Krankheit leidet und war deswegen auch schon in einem anderen health center in Behandlung. Fuer mich war es trotzdem sehr spannend auch einmal dieses Krankheitsbild aus der Naehe betrachten zu koennen."

 

 

 

Freitag, 31. Juli 2009

 

Die letzte Woche meines Manduaraufenthaltes ist nun leider auch schon zu Ende gegangen. Gestern hatten wir bereits ein Abschiedsabendessen auf Kebbas compound veranstaltet und mit seiner Familie und Freunden etwas gefeiert. Wie hier üblich gab es nach dem Essen natürlich noch afrikanische Musik und jeder musste tanzen. Dabei verursachten die euroafrikanischen Tanzversuche von meiner Freundin und mir Lachattacken von erschreckendem Ausmaß. Weshalb blieb uns schleierhaft!

 

Nach drei Monaten Leben mit Kebba und seiner Familie sind sie mir schon sehr ans Herz gewachsen. Vor allem seine Kinder werden mir sehr fehlen, die mich jeden Tag begeistert auf dem compound begrüßten und es mit erstaunlicher Kondition durchhielten, drei Monate lang jeden Tag nach Süßigkeiten zu fragen. Die gambianische Gastfreundschaft und Freundlichkeit sind wirklich einmalig und ließen mich auch öfter mal ein kleines Heimweh vergessen.


Für die Besatzung des Health posts gaben wir heute noch ein Abschiedsfrühstück, wie hier üblich mit jeder Menge Tapalapas (hiesiges Baguette), die mit deftigen Mischungen wie Bohneneintopf, Fischbällchen oder Fleischmix gefüllt werden. Saul hielt danach eine rührende, kurze Rede über die die Geschehnisse und Veränderungen während meines Aufenthaltes und dankte mir im Auftrag des ganzen Teams. Davon doch etwas bewegt, fiel meine Dankesrede etwas stammeliger aus, hat aber hoffentlich trotzdem allen gezeigt, wie viel mir die Zeit hier bedeutet hat. Von Saul bekam ich als kleines Erinnerungsgeschenk noch einen schöne Halskette mit einem Juju, ein vom Imam hergestellter Glücksbringer für Erfolg in der Zukunft.


Die drei Monate hier sind wie im Flug vergangen und ich werde mit der Erinnerung an viele tolle Erlebnisse heimkehren. Die gemachten Erfahrungen sind einfach unbezahlbar. Ich hoffe, ich konnte den Einwohnern ein wenig der entgegenbrachten Freundlichkeit zurückgeben und ihre Erwartungen an den „german doctor“ nicht enttäuscht zu haben.


Vielen Dank auch an das LandsAid-Team und alle Förderer und Spender, die diesen Einsatz erst möglich gemacht haben und an die sehr engagierten Partner, wie Heinz Bormann, der vor Ort immer ein offenes Ohr hatte, und wo er konnte, geholfen hat. Herzlichen Dank auch an Dr. Lemp und seine Organisation, die ständig um Verbesserung und gute Ausstattung bemüht waren.

Trotz des Endes meines Einsatz´ wird mich Afrika noch nicht los, ich habe glücklichweise noch drei Wochen Zeit um mit meiner Freundin Gambia und Senegal zu erkunden.


Ich hoffe, Manduar und den health post bald wieder zu sehen und dann dort ein kleines Hospital vorzufinden.


Vielen Dank für die wertvolle Zeit!

Simon

 

 

Montag, 31. August 2009

 

"Vor 5 Tagen bin ich mit meiner Freundin endgültig aus Gambia und dem Senegal heimgekehrt. Unsere Rundreise durch die beiden Länder war trotz der Regenzeit einfach fantastisch. Momentan versuche ich mich wieder etwas an den Alltag zu gewöhnen. Da ich diese Woche noch Urlaub habe, kann ich mir dabei glücklicherweise ordentlich Zeit lassen. Viele Eindrücke und Erlebnisse von meiner Zeit im health post fallen mir wieder ein und ich kann sie nochmals Revue passieren lassen. Dabei werden mir die Unterschiede zwischen dem Leben und Verhalten der Menschen in Gambia und hier, viel deutlicher bewusst, als während meiner Zeit in Manduar selbst. Dabei fallen mir vor allem die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und große Gastfreundschaft der Gambianer ein, obwohl sie mit vielen Benachteiligungen in Bereichen wie Ausbildung, Berufschancen und speziell auch Gesundheit zu kämpfen haben. Gerade deswegen bleibt die Hoffnung, dass Standorte wie der health post Manduar weiterhin unterhalten und eventuell sogar noch ausgebaut werden können.

 

Obwohl ich natürlich auch froh bin, wieder zu Hause zu sein, werden mir viele Dinge aus dem Alltag in Manduar fehlen. Beispielsweise die Abende auf Kebbas Compound, wo ich mit ihm diskutiert, Attaya (grüner Tee) getrunken und in den afrikanischen Nachthimmel geschaut habe. Oder die Frühstücke im health post, wo mir Saul nebenher die gambianische Kultur und Sitten näher gebracht hat und vor allem auch die große Dankbarkeit der Patienten, sogar für selbstverständliche Kleinigkeiten, wie ein Gespräch.

 

Wegen all diesen wertvollen Eindrücken, hoffe ich, bald wieder die Chance zu bekommen Afrika und vielleicht sogar Gambia und Manduar wieder zu sehen.

Oder wie man in Gambia sagen würde:

Fo wati do - bis bald!"

 

Quelle: www.dbo-online.com